Dienstag, 29. Dezember 2009

Mit Vollgas entschleunigen


Ich gebe es zu, in den letzten Wochen habe ich 'ne Menge mit den vielfältigen neuen Diensten aus dem Bereich "Social Media" rum experimentiert. Ich möchte keine Sekunde und kein Werkzeug missen, trotzdem wird mir sehr deutlich bewusst:

Kontrolliere es bevor es Dich kontrolliert.

Wir sind bereits heute im Grunde alle immer erreichbar, unsere Aufmerksamkeit ist unser kostbarstes Gut - und wir müssen diese bewusst und kontrolliert verteilen. Diesem Versuch laufen Unterbrechungen (bei Computer spricht man meist von Interrupts) zuwider - diese stören uns bei einer Tätigkeit (die unsere Aufmerksamkeit erfordert) und bewirken einen Kontextwechsel. Wenn die Unterbrechungen dann unterbrochen werden kann sich das zu einer geschäftigen Kontextwechselorgie aufschaukeln, bei dem die Aufmerksamkeit ständig wandert, nirgendwo aber verbleibt.

Jede Bewegung bewirkt eine entsprechende Gegenbewegung:
Kontrolliere es bevor es Dich kontrolliert.

Die vielen Dienste rund um "Social Media" sind wichtig, ändern die Art und Weise wie wir kommunizieren nachhaltig und erhalten gerade in Deutschland jetzt erst nachhaltig Einzug in unser Leben. Umso wichtiger, mit diesen Dingen vernünftig umzugehen.

Wie einfach ist es doch ansonsten, von Facebook über Twitter, dem Tweetdeck, kurz mal XING, ein Blick in Google Wave um von den E-Mails dann schnell noch zum Instant Messaging zu wechseln.

Mit der richtigen "Kontrolle" experimentiere ich noch, bislang auch noch ohne den Durchbruch. Klar ist mir aber, dass sich die Bedienung weg von Push (ich mache einen Kontextwechsel sobald etwas neues da ist) hin zum Pull (ich rufe kontrolliert die neuen Dinge ab) entwickeln muss. Möglicherweise genügt es, periodisch die unterschiedlichen Kanäle abzurufen, zum Beispiel 4x am Tag E-Mail, 2x am Tag Facebook, 1x am Tag XING etc.

Entschleunigen also. Und wenn schon entschleunigen, dann richtig und mit Vollgas.


Laut WIKIPEDIA bedeutet Entschleunigung das Folgende:

"Mit Entschleunigung wird ein Verhalten beschrieben, aktiv der beruflichen und privaten „Beschleunigung“ des Lebens entgegenzusteuern, d. h. wieder langsamer zu werden oder sogar zur Langsamkeit zurückzukehren."


...und weiter:

"Die Entschleunigung zeigt Wesensmerkmale der Faulheit und Muße, ohne wie diese negativ besetzt zu sein." 
(Danke @brocksrocks für den Hinweis auf diesen besonders kuriosen und zutreffenden Teil der Definition.)

In diesem Sinne scheint sie mir artverwandt mit dem Verkaufsschlager Wellness zu sein. Und tatsächlich scheinen sich immer Menschen hierfür auch zu interessieren, noch heute habe ich - dankenswerterweise - von einem alten Bekannten aus der Finanzbranche Grüße erhalten, die zu einem nicht unerheblichen Anteil dies zum Thema hatten.

Für Entschleunigungstipps bin ich übrigens dankbar. In diesem Sinne öffne ich jetzt eine leckere Flasche Rotwein und freue mich auf ein gutes, altes Buch, in dem ich nun den Rest des Abends schmökern werden...

Montag, 28. Dezember 2009

Der sechste Sinn


Bekanntermaßen verfügen Menschen über fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Der 6. Sinn ist laut WIKIPEDIA wie folgt zu verstehen: Der Ausdruck „6. Sinn“ wird häufig verwendet, wenn jemand etwas bemerkt, ohne es (bewusst) mit den bekannten fünf Sinnesorganen wahrzunehmen, manchmal im Sinne von „außersinnlicher Wahrnehmung“.

Neben einer Wochenzeitung und einem Film mit Bruce Willis ist der 6. Sinn zudem ein bemerkenswertes Forschungsprojekt:

'SixthSense' is a wearable gestural interface that augments the physical world around us with digital information and lets us use natural hand gestures to interact with that information.

SixthSense ist ein Forschungsprojekt von Pranav Mistry (von dem auch die zitierte Beschreibung stammt) und damit wiederum ein Teil der von Pattie Maes geleiteten Gruppe Fluid Interfaces am MIT Media Lab. Eindrucksvoll demonstriert dieses Projekt, welche Möglichkeiten moderner Benutzerinterface sich ergeben, wenn man die traditionellen Wege auch nur ein wenig verlässt (und ohne dass hierzu wirklich der sprichwörtliche 6. Sinn erforderlich wäre).

Im folgenden Video demonstrieren Pattie Maes und Pranav Mistry gemeinsam das Konzept und die Möglichkeiten von SixthSense.



Die Rede stammt von einer bemerkenswerten Organisation namens TED:
"TED is a small nonprofit devoted to Ideas Worth Spreading. It started out (in 1984) as a conference bringing together people from three worlds: Technology, Entertainment, Design. Since then its scope has become ever broader."

Frischen Wind in die SixthSense Technologie kam vor einigen Wochen durch die Ankündigung, dass Pranav Mistry diese Technologie gerne als Open Source zur Verfügung stellen würde. (Siehe zum Beispiel rediff Business.) Möglicherweise ist dies bereits erfolgt, ich habe die Entwicklung diesbezüglich nicht weiter verfolgt.

Bemerkenswert ist der Ansatz aber in jedem Fall; auf vielversprechende Art kombiniert er die existierende Realität mit dem, was man sich noch gut vorstellen kann und dem, was technisch und wirtschaftlich vernünftig umsetzbar scheint.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Merry X-mas. Oder doch lieber frohes Fest?

Nun ist es also soweit, Weihnachten steht unmittelbar vor der Tür. Wie würde man es so schön auf Denglisch formulieren?
"Merry X-mas" oder besser noch "fröhliche X-Mas".

Haben Sie sich schon mal gefragt, woher diese Kurzform "X-Mas" eigentlich kommt? Schauen Sie selbst...



PS: Ja. Keine Sorge. Die Musik darf ich verwenden; komplett legal, royalty free, gemafrei und so weiter ;-)

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Wie sich unsere Welt verändert: Vier Megatrends im Web. Folge 7: Zusammenfassung und Resümee.


Hinweis
Das nachfolgende Posting ist Teil einer Reihe zusammengehöriger Beiträge, die in Summe ein zusammenhängendes Dokument ergeben; die Beiträge erscheinen grob alle 3-4 Tage und werden miteinander verlinkt, so dass sich nach der endgültigen Fertigstellung auch ein normaler Lesefluss möglich ist.

Hier geht's zum vorherigen Beitrag:
Alles wird individualisierbar.


Zusammenfassung

Wir haben in diesem Artikel versucht, aus den vielen Trends rund um das Internet wenige Megatrends abzuleiten.


Unsere vier Megatrends revisited.

Insgesamt sind wir zu folgenden vier Megatrends gekommen, die zwar parallel wirken, jedoch auch aufeinander aufbauen und sich damit verstärken:

Megatrend 1: Alles ist für jeden immer zugänglich.
Das Internet wird weltweit für jeden zugänglich – zu jedem Zeitpunkt und zu verschwindenden Kosten. Jeder wird Inhalte des Internets nutzen, wird aber auch aktiv Inhalte einstellen können – zum Beispiel mit neuen Geräten, die automatisch die eigenen Wahrnehmungen ins Internet übertragen.

Megatrend 2: Was nicht im Web ist, existiert nicht.
Alles, das geschieht, hinterlässt gewollt (und möglicherweise auch ungewollt) Spuren im Internet. Damit landet im Grunde das Leben jedes Einzelnen in Gänze im Internet, wobei durch Berechtigungen gesteuert wird, wer davon was mitbekommen darf.

Megatrend 3: Alles wird kolloborativ.
Inhalte werden durch Gemeinschaften bearbeitet. Gemeinschaften wandern ins Internet und auch Dienste werden kollaborativ, arbeiten also zusammen.

Megatrend 4: Alles wird individualisierbar.
Im Sinne eines effektiven Umgangs mit den vielfältigen Möglichkeiten kann man Applikationen konfigurieren, die passenden Applikationen auswählen und zunehmend auch Applikationen miteinander kombinieren um damit neuartige Dienste zu schaffen bzw. Fragestellungen des beruflichen oder privaten Lebens zu beantworten.

Vieles von dem, was wir geschildert haben, ist bereits Realität. Einiges ist in die Zukunft gedacht, aber weniger in Form von Spekulation als durch Betrachtung von Prototypen oder Anwendungen, die noch nicht ihren Weg in die Fläche geschafft haben.

Mein Hauptziel war es, viele uns umgebende Entwicklungen zu strukturieren und daraus Megatrends abzuleiten, die uns umgeben und die unser Leben verändert haben und weiter verändern werden. Eine Wertung bedeutet dies ist keinster Form, diese habe ich mir bewusst gespart.

Abschließen möchte ich diese Ausführungen mit einem Zitat des Zukunftsforschers Matthias Horx:


Matthias Horx. Wahrlich kluge Worte eines Zukunftsforschers.

„Wir können uns die Zukunft immer nur als Apokalypse, Konsumhölle oder absurden Comic-Strip vorstellen. Wenn wir aber einmal dort sind, wird sie sich als ganz normaler Ort zum Lieben, Heiraten, Autofahren und Kinderkriegen erweisen. 

Ich habe festgestellt, dass die Menschen sich gar nicht wirklich für die Zukunft interessieren. Sie interessieren sich eher für die Verlängerung der Vergangenheit ins Morgen. 
Genau das aber hat die Zukunft nicht im Programm.“

Rechtliche Hinweise
Die in diese Reihe verwendeten Bilder wurden größtenteils aus frei im Internet zugänglichen Fotos komponiert. Möglicherweise bedeutet das rechtliche eine Grauzone – oder es werden gar Bildrechte verletzt. Sollte dem so sein, tut es mir leid.

Auf ausführliche Quellenangaben und ein Literaturverzeichnis wurde verzichtet, da es sich bei dem Artikel um die Artikulierung einer Meinung handelt, nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung.

Danke für Deine/Ihre Aufmerksamkeit!

Dienstag, 22. Dezember 2009

Der Numa Numa Guy, YouTube, digitale Ethnographie, virales Marketing und der Todesstern.


Kennen Sie Gary Brolsma? Vermutlich schon, immerhin wurde sein Video geschätzt 700 Millionen mal gesichtet und er hatte laut WIKIPEDIA u.a. Auftritte in ABC's Good Morning America, NBC's The Tonight Show und VH1's Best Week Ever.

Gary - bekannt als der "Numa Numa Guy" - hat ein Video gedreht, das im Grunde wohl jeder von uns hätte drehen können. Der Unterschied ist nur, dass er es sehr früh getan hat und damit wirklichen Einfluss auf die Welt hatte. Als einer der ersten hat er im Internet mit einem "resonanzfähigen Thema" (wie Prof. Dr. Peter Kruse es wohl ausdrücken würde) ein Massenphänomen ausgelöst.

Schauen Sie sich doch zunächst bitte mal das Video an (falls Sie es nicht ohnehin schon kennen).
Genießen Sie es, stellen Sie den Ton laut und lehnen Sie sich entspannt zurück...



Beeindruckend, oder!?
700 Millionen Sichtungen.
Das ist eine 7 gefolgt von 8 Nullen: 700.000.000. Überlegen Sie mal im Vergleich dazu, mit welchen Budgets Werbefilme gedreht werden und wie viele Menschen man damit erreicht.

Wie YouTube unsere Welt verändert, untersucht Michael Wesch im Rahmen seiner Arbeitsgruppe "Digitale Ethnographie" (http://mediatedcultures.net/) an der Kansas State University.

Einen wunderbaren Einblick in seine Arbeit gibt das folgende Video, das für einen Vortrag vor der Library of Congress entstanden ist (übrigens die größte Bibliothek der Welt). Mit seinen 55 Minuten passt das Video wunderbar als kleine Auflockerung in die beschauliche Weihnachtszeit; viel Spaß damit!



(Mit herzlichem Dank an Ansgar Thüs für die Empfehlung!)

War's das?
Nein: Einer geht noch. 

Einblick in Managemententscheidungen zum Thema virales Marketing:




Ach so. Vermutlich nur folgerichtig, dass ich nun auch endlich meinen YouTube Kanal konfiguriert habe:  http://www.youtube.com/user/GeroPresser

Montag, 21. Dezember 2009

Wie sich unsere Welt verändert: Vier Megatrends im Web. Folge 6: Alles wird individualisierbar.


Hinweis
Das nachfolgende Posting ist Teil einer Reihe zusammengehöriger Beiträge, die in Summe ein zusammenhängendes Dokument ergeben; die Beiträge erscheinen grob alle 3-4 Tage und werden miteinander verlinkt, so dass sich nach der endgültigen Fertigstellung auch ein normaler Lesefluss möglich ist.

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Alles wird kollaborativ.


Megatrend 4: Alles wird individualisierbar.

Der vierte Megatrend ist wiederum eine Konsequenz der anderen Trends.

Alles ist für jeden zugänglich und alles, das geschieht, landet im Internet. Soziale Dienste ermöglichen die Zusammenarbeit auf Basis von Inhalten und auch die virtuelle Abbildung von Gemeinschaften. In Summe explodiert die Menge der Inhalte, der Beziehungen und der Dienste bzw. Möglichkeiten, die uns geboten werden.

Insofern kommt Megatrend 4 eine besondere Bedeutung zu, dass nämlich alles im Internet individualisierbar wird.


Soweit ist's klar.


Angefangen hat dies mit sehr einfachen Aspekten, die zunächst primär das Aussehen und Oberflächen betroffen haben. So können zum Beispiel Browser mit einer Skin (oder einem Motiv) versehen werden, wodurch die Optik konfiguriert wird.  Dies ist die einfachste Form der Personalisierung, durch die Wahl eines von vielen vorgegebenen Motiven wird der Browser zum „persönlichen“ Werkzeug. Fortgesetzt wird dies durch Möglichkeiten der Anpassung, zum Beispiel der Installation von zusätzlichen „Add-Ins“ und der Konfiguration von Menüleisten.

Ähnlich verhält es sich mit dem persönlichen Schreibtisch (Desktop). Hier können Icons und Dienste arrangiert werden, zum Beispiel eine Uhr oben rechts, ein persönlicher Kalender unten links und Sportnachrichten zum BVB oben links.

Das Paradebeispiel ist sicherlich das Apple iPhone und die Vermarktung von Applikationen (die im Kontext des iPhone stets als Apps bezeichnet werden). Diese Apps können von einem zentralen, von Apple betriebenen Marktplatz heruntergeladen werden und erweitern die Funktionalität des iPhone. Indem sich jeder Benutzer die für ihn relevanten „Apps“ runterlädt, konfiguriert er sein iPhone und macht aus diesem ein hochgradig individuelles Gerät. Dies hat sich mittlerweile auch zu einem gigantischen Wirtschaftsfaktor entwickelt, pro Monat verzeichnet Apple 10 Millionen Downloads und 200 Millionen US$ Umsatz mit der Plattform.

Die ersten beiden Aspekte dieses Trends sind also die Konfiguration von Applikationen sowie die Auswahl von Applikationen. Besonders interessant – und aktuell noch in den Kinderschuhen – ist die Möglichkeit, Applikationen miteinander zu verbinden um dadurch gänzlich neue Dienste anzubieten.

Wir hatten hierfür bereits das Beispiel Twittermap genannt. Bemerkenswert sind aber gerade die Bestrebungen, dass sich ein Benutzer selbst seine Applikationen auswählt und bedarfsgerecht miteinander kombiniert.

Eine Plattform, die genau dies zum Ziel hat, ist Yahoo Pipes.


Bemerkenswert - Yahoo Pipes.

Dass diese Möglichkeit bereits heute von Bedeutung ist illustriert zum Beispiel die Website www.programmableweb.com, die sich ausschließlich solchen sogenannten MashUps widmet. Hier sind mittlerweile über 4.500 solcher MashUps verzeichnet, Tendenz stark steigend. Und auch Komponenten werden verzeichnet, die sich dank offener Schnittstellen für die Komposition neuer Dienste eignen. Dort finden sich dann Klassiker wie Google Maps ebenso wie hochgradig spezialisierte Dienste, zum Beispiel einem Dienst rund um Babynamen. (In Kombination könnte man etwa die regionale Verteilung von Babynamen auf einer Karte anzeigen.)


MashUps wo man hinschaut.

Entscheidend ist – so ist zumindest meine Auffassung des Megatrends – dass die Komposition und Konfiguration für immer mehr Menschen möglich wird, so dass irgendwann jeder in der Lage ist, für gewisse Fragestellungen sich durch die Komposition von Standardelementen eine Lösung zu „programmieren“.

So sollte es zukünftig möglich sein, auf Fragen wie die folgende sich selbst ein Antwortprogramm zusammen zu klicken:

     Im Umkreis von 10km
     alle chinesischen Restaurants
     die Freunde von mir
     mindestens gut bewertet haben
     und morgen 20 Uhr vier Plätze frei haben. 

Die einzelnen Dienste und Informationen existieren bereits, deren individuelle Kombination würde aber eine ganz andere Qualität der Beantwortung von Fragen ermöglichen.

Hierzu passt sehr gut, was Bill Gates – der Gründe von Microsoft – von der Zukunft erwartet. Zur letzten tech-ed, die Bill Gates aktiv als CEO von Microsoft begleitet hat, liest man folgendes: „Bill Gates blickt auf 33 Jahre Unternehmenserfahrung mit Entwicklern zurück. Künftige Herausforderungen liegen seiner Meinung nach im Cloud Computing, in Modellierungstechniken und in der natürlichsprachigen (Software-) Entwicklung.“

Weiter geht's mit
Zusammenfassung und Resümee.

Sonntag, 20. Dezember 2009

My Daily Photo


Die Idee könnte einfacher kaum sein: Ich möchte zukünftig jeden Tag mit einem Foto "archivieren", quasi eine Momentaufnahme, die diesen Tag beschreibt oder eine Besonderheit des Tages dokumentiert. Hier geht es also um Beschränkung und Entscheidung; es darf nur genau ein Bild sein (und, nebenbei, dieses muss natürlich auch geschossen werden).

Wozu man sowas macht? 
Nun, geht es Ihnen nicht auch so, dass die Zeit vorbeizurauschen scheint und es haufenweise wunderbare Erinnerungen gibt, die viel zu selten reaktiviert werden? Fotoalben (digital oder gebunden, egal) sind ein wertvolles Instrument um besonderer Augenblicke nochmal aufleben zu lassen; typischerweise beschränkt sich das aber auf Hightlights wie Hochzeiten und Urlaubsreisen - der Alltag wird hingegen vernachlässigt.

Meine erste Idee war, einen digitalen Bilderrahmen und nutzen und dort mit Versatz von genau einem Jahr ein Bild darzustellen, das den Tag vor genau einem Jahr bildlich beschreibt. Das setzt aber natürlich voraus, dass man für jeden Tag eine entsprechende Erinnerung "archiviert" hat. Und genau dies möchte ich mit "My Daily Photo" bezwecken.

Die Bilder werde ich, so meine technische Vorstellung, mit einem Versatz von einem Tag twittern und ein spezielles Hashtag zur Kennzeichnung nutzen. Namen im Stil "My Daily Picture" oder "My Daily Photo" drängen sich geradezu auf - und siehe da, es gibt tatsächlich schon eine Community myDailyPhoto.com, die genau meine Idee umsetzt (für die ich selbstverständlich keine exklusiven Anspruchsrechte erwartet habe). Diese Community ist allerdings noch recht klein (<400 Mitglieder), so dass ich mich vorerst für den Weg über Twitter entschieden habe.

Weiter geht's mit Pragmatismus: Eine Twitter-Suche nach #mdp (my daily photo) liefert wenige Treffer, die Suche nach #mydp gar keine - damit ist die Entscheidung gefallen.
Ich werde also das Hashtag #mydp (und meinen Twitter-Account twitter.com/gero_presser) nutzen um jeden Tag ein Bild zu archivieren, das für mich den Tag zusammen fasst. Und spätestens in einem Jahr kann ich dann anfangen, diesen Content für Dinge wie den nostalgischen Bilderrahmen (heute vor einem Jahr) zu nutzen.

Warum man sowas öffentlich via Twitter macht?
Gute Frage. Ein wenig digitaler Exibitionismus gepaart mit Experimentierfreudigkeit und einem tiefen Glauben an die Relevanz sozialer Netze sind wohl zumindest Bestandteile der Antwort.

Los geht's dann spätestens zum 1.1.2010 - ein wunderbares Datum für die "Produktivsetzung" von #mydp...

Samstag, 19. Dezember 2009

4. Advent, Weihnachtsmusik und ein iPhone


Es ist Tradition, dass wir den 4. Advent im größeren Familienkreis bei uns feiern. Nun ja, Tradition ist möglicherweise ein wenig zu hoch gegriffen, morgen findet das Fest zum zweiten Mal statt; wir haben aber zumindest die Absicht, dass hieraus eine echte Tradition erwächst.

Dreimal dürfen Sie raten, welche Art Musik man zu solch einem Fest spielt.
Als Außenstehender würde man die Weihnachtsphase möglicherweise als "kollektiven Infantilismus" wahrnehmen; selbst gebildete Menschen mit gesetztem Musikgeschmack fangen an, furchtbar instrumentalisierte Kinderlieder zu singen und sich mit allerlei lieblichem Schnickschnack zu umgeben.

Versuchen Sie erst gar nicht, die Schuld alleine auf den Glühwein zu schieben!

Nun, wie dem auch sei: Es ist ja jedesmal auch wieder schön. Was aber hat das mit einem iPhone zu tun (das ich, sollte ich ergänzen, seit etwa einer Woche besitze, bis zur Vertragsfreischaltung heute allerdings nur via WLAN nutzen kann)?

Für die versierten iPhone Nutzer ist das wohl Schnee von gestern; für mich ein Einstieg in ein neues Zeitalter:
Die Weihnachtsmusik. 

Hatte man (ich) vormals noch ein paar "alte Schätzchen" mit Weihnachtsmusik (oder "das" Schätzchen), kann man (ich) mittlerweile aus einer breiten Auswahl von lupenreinen Weihnachtssender auswählen; eine Übersicht findet sich zum Beispiel unter http://www.weihnachtsradio.de/

Zum Beispiel der "#Musik Christmas Channel" (http://www.christmas-channel.com/) versorgt uns gerade via iPhone und angeschlossener Anlage mit wunderbar schauerlicher Weihnachtsmusik.
Live - also ohne dass ich hiermit meine iTunes Sammlung verschmutzen muss.
Das nenne ich Fortschritt!

Und auch wenn das nach einer insgesamt negativen Einstellung in Punkto Weihnachtsmusik klingen mag: Ich freue mich schon auf unseren 4. Advent morgen. Auch mit (oder trotz?) der Musik ist's jedes Jahr wieder schön...

Freitag, 18. Dezember 2009

Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Oder: Es lebe der PDA.

Wachstumsbeschleunigungsgesetz.

Herrlich. Dagegen klingt die Abwrackprämie doch geradezu profan - und hat es dennoch zum (Un)Wort des Jahres geschafft.

Nicht nur dass man Wachstum nun per Gesetz beschließt, nein, man beschleunigt sogar das Wachstum und begibt sich damit eine Ableitung weiter. Wir beschließen also per Gesetz, dass wir unser Wachstum beschleunigen wollen. Klingt das nicht schon fast unverschämt? Genügt uns Wachstum nicht mehr?

Irgendwie haben wir hier einen gesteigerten Superlativ der Spitzenklasse. Und womit erreicht man diese höheren Sphären des effektiven Wirtschaftens? Durch Kindergeld und weniger Mehrwehrsteuer auf Hotelübernachtungen. Irgendwie bleiben die realen Beschlüsse doch weit hinter der geballten Potenz der werblichen Begrifflichkeit zurück, so fürchte ich.

Ich fühle mich irgendwie zurück erinnert in meine Studienzeit. Für mein erstes Portal - www.ulk4u.de - habe ich mal aus Experimentierfreude einen kleine PDA gebaut, einen Phrasen-Dresch-Automaten. (Der ist sogar noch online unter http://www.ulk4u.de/cgi-bin/phrasen.pl).

Gerade mal angeworfen und siehe da:

bilaterale Konzentrationskonvolution

Das klingt doch schon sehr ähnlich zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Der PDA besteht aus etwa 10 Zeilen Perl-Code und einem Repertoire aus etwa 250 Begrifflichkeiten.
Wenn wir einen Faktor 10 auf beide Dimensionen drauf legen, sollten wir einem ausgewachsenen Politiker schon recht nahe kommen.
So fürchte ich zumindest...

Realsatire in Unternehmen: Social Media funktioniert bei uns nicht.


Unternehmen denken zunehmend über Social Media nach, mich wundert fast schon, dass nicht "social enterprise" stärker als neues Buzzword geprägt wird.

Im Grunde ist das natürlich löblich. Aus dem Bereich der "Social Media" können wir sicherlich eine Menge lernen über die Zusammenarbeit und Kommunikation großer Personenkreisen - bis hin zur gesamten Gemeinde aller Internetbenutzer. Gerade für große Konzerne mit vielen Beteiligungen und Standorten ergeben sich hieraus vielfältige Möglichkeiten, die zum Vorteil erschlossen werden könnten.

Warum also der Titel "Social Media funktioniert bei uns nicht"?

Nun, damit spiele ich auf eine Herangehensweise an, die ich zunächst für puren Humor gehalten habe, nun aber eines besseren belehrt wurde: Es handelt sich um praxisrelevante Realsatire.

Um die Dinge nicht zu kompliziert zu machen, beschränken wir uns auf das Beispiel einer Einführung eines WIKI in einem Unternehmen.
Halten Sie folgendes für möglich?

  1. Verantwortlich für die Einführung ist das Marketing, genauer die Unternehmenskommunikation. Dass dies richtig ist, begründet ja bereits der Titel der Abteilung.
  2. Die IT-Abteilung wählt eine Software aus, reserviert die Domäne, stellt das System bereit und sichert den Betrieb.
  3. Leserechte erhalten alle. Da das aber viel zu gefährlich ist, bedeutet "alle" zunächst das Projektteam.
  4. Schreibrechte bekommt die komplette Marketingabteilung und der Führungskreis des Unternehmens. Auf keinen Fall darf aber jeder in das System schreiben, das wäre nicht kontrollierbar.
  5. Eingaben müssen freigeschaltet werden. Zunächst läuft die Freigabe über eine zentrale Person in der Unternehmenskommunikation. Dies sichert ein vernünftiges Corporate Wording und die Qualität der Beiträge.
  6. Diese Person ist insbesondere in der Lage, die Einreichungen in dem zuvor genannten Sinne "aufzuhübschen" bzw. zu verbessern.
  7. Da es keine Beiträge gibt, wird erwogen, dies in die Zielvereinbarung einiger Mitarbeiter zu schreiben; diese sollen dann mindestens einen Beitrag pro Woche liefern.
  8. Die wenigen eingehenden Einträge laufen über den Flaschenhals "Freigabe" und werden insbesondere zur Unkenntlichkeit "verbessert".
  9. Zwar gibt es wenige Autoren, dafür aber auch noch viel weniger Leser.
  10. Durch einen Newsletter gibt es punktuell große Resonanz bei den Mitarbeitern. Viele lesen die wenigen Einträge - und verlassen anschließend die Seite wieder. Für immer.
  11. Trotz der kurzfristigen Resonanz nach dem Newsletter gehen die Zugriffszahlen gegen 0.
Und die Moral von der Geschichte? 
Social Media funktioniert bei uns nicht.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Wie sich unsere Welt verändert: Vier Megatrends im Web. Folge 5: Alles wird kollaborativ.


Hinweis
Das nachfolgende Posting ist Teil einer Reihe zusammengehöriger Beiträge, die in Summe ein zusammenhängendes Dokument ergeben; die Beiträge erscheinen grob alle 3-4 Tage und werden miteinander verlinkt, so dass sich nach der endgültigen Fertigstellung auch ein normaler Lesefluss möglich ist.

Hier geht's zum vorherigen Eintrag:
Was nicht im Web ist, existiert nicht.


Megatrend 3: Alles wird kollaborativ.
Die ersten beiden Megatrends münden fast zwangsläufig im Megatrend Nummer 3. Jeder hat immer und überall Zugang zum Internet und alles, das geschieht, wird auch digital ins Internet übertragen.

Bei diesen gigantischen Datenmengen ist die klassische Suche sicherlich nicht mehr der richtige Zugriff auf Informationen. Die Lösung besteht hier in virtuellen Gemeinschaften, die Ausdruck des Megatrends Nummer 3 sind: Alles wird kollaborativ.

Fangen wir auf der „untersten“ Stufe, den Inhalten an. Hier ist es längst gelebte Praxis, dass Inhalte kollaborativ werden:


Inhalte sind kollaborativ.

So können zum Beispiel Fotos auf der Internetplattform Flickr eingestellt und dem Rest der Welt oder, auf Wunsch, einer definierten Menge von Individuen zugänglich gemacht werden. Dies ist viel effektiver als die traditionelle Verteilung per E-Mail oder – noch steinzeitlicher – der Versand von Kopien. Das Bild existiert physikalisch nur einmal und kann auch von  einer ganzen Gruppe von Individuen mit Zusatzdaten („Metadaten“) versehen werden. Wer ist auf dem Foto zu sehen, was ist der Anlass des Fotos, was gibt es interessantes rund um das Foto zu berichten. Indem eine ganze Gemeinschaft das Foto zur Kenntnis nimmt und individuelle Anmerkungen beisteuert, wird der Inhalt insgesamt wertvoller und mit mehr Informationen versehen. Damit finde ich letztlich zum Beispiel einfach alle Fotos, auf denen ich in Holland zu sehen bin – egal ob diese in meinen Alben, Alben meiner Freunde oder sogar öffentlichen Alben beheimatet sind.

Dasselbe Prinzip greift natürlich nicht nur für Fotos: Der unmittelbare Zwilling für Videos ist die Plattform „YouTube“.

Für Geräusche oder Musik gibt es zwar (nach meiner Kenntnis) keinen direkten Zwilling in dem Sinne, dass die Benutzer die Inhalte selbst erstellen. Ähnliche Plattformen sind aber auch hier zu finden, bei denen es um das kollaborative Bearbeiten und Erkunden der (Klang) Inhalte geht.

Ein wunderbares Beispiel ist iTunes, die Musikplattform von Apple. Indem Benutzer hier ihre Lieblingsmusik auszeichnen und Profile in Form der Käufe entstehen, kann mit einfachen Algorithmen erschlossen werden, welche Musik dem jeweiligen Benutzer möglicherweise auch noch gefallen könnte (kollaboratives Profiling).

Ein letztes Beispiel ist die hinlänglich bekannte Plattform WIKIPEDIA, bei der Wissen gemeinschaftlich bearbeitet wird mit dem Ziel einer umfassenden Enzyklopädie, die aus dem Wissen der Masse entsteht. Nach vielen anfänglichen Einwänden und kollektiver Skepsis hat sich dies längst zu einer der wichtigsten Quelle für Fakten entwickelt, die weltüberspannend Nutzer des Internets konsultieren.

Die Kollaboration hört aber nicht bei Plattformen auf, die spezielle Objekte (Fotos, Videos, Fakten) verwalten und einer Gemeinschaft zugänglich machen.


Die üblichen Verdächtigen.

Auch die Gemeinschaft selbst kann Selbstzweck sein, wie eindrucksvolle das soziale Netzwerk Facebook demonstriert. Mit seinen mittlerweile 300 Millionen Benutzern wäre Facebook heute gemessen an der Bevölkerung schon das viertgrößte Land der Welt! Und auch die Bewertung ist astronomisch, Facebook wird mittlerweile mit 10 Milliarden US$ bewertet und ist damit in etwa gleichauf mit dem ThyssenKruppe Konzern. Eindrucksvoll ist die Infrastruktur, die hinter Facebook steht und es erst ermöglicht, einen Dienst mit derartigen Anforderungen in Hinblick auf Benutzer und Volumen zu betreiben: Täglich werden über 1 Milliarde Chat-Nachrichten ausgetauscht, über 100 Millionen Suchanfragen bearbeitet und wöchetlich mehr als 2 Milliarden Content-Elemente hochgeladen. Facebook betreibt 30.000 Server, täglich fallen alleine 25 Terabyte Logfile an und es werden bis zu 600.000 Bilder pro Sekunde ausgeliefert. (Quelle: http://www.golem.de/0910/70585.html)

Auch der Nachrichtendienst Twitter macht immer mehr auf sich aufmerksam. Obwohl es noch kein Geschäftsmodell gibt, erreicht Twitter heute schon eine Bewertung von 1 Milliarde US$, in etwa so viel wie TUI. Auf Twitter können 140 Zeichen Nachrichten eingestellt werden, die von jedem auffindbar sind und direkt auf der Startseite anderer Benutzer landen, die den Autor „abonniert“ haben. Charmant ist, dass jeder jeden anderen Benutzer abonnieren kann und somit viele Menschen virtuell am Leben ihrer Stars oder Vorbilder teilhaben können.


Google mischt immer mit.

Ein weiteres Musterbeispiel für die Kollaboration im Internet ist auch das Suchmaschinenschwergewicht Google. Längst ist Google mehr als eine Suchmaschine und stellt Dienste wie E-Mails zur Verfügung. Mit „Texte & Tabellen“ fährt Google einen Frontalangriff auf Microsoft Office und bietet Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und ein Präsentationsprogramm (ähnlich Powerpoint). Die Besonderheit ist, dass alle diese Dienste komplett über das Internet ablaufen und diese Vorteile auch konsequent nutzen. So können die Inhalte kollaborativ genutzt werden, zum Beispiel eine Excel-Tabelle gemeinsam von mehreren Benutzern (z. B. In einer Telefonkonferenz) bearbeitet und gesichtet werden. Besonders schön kommen diese Vorteile auch bei Google Maps (Kartendienst) und dem Google Kalender zum Tragen: Mein Google Kalender besteht zum Beispiel auch aus einem Privatteil, den ich mir mit meiner Frau teile, so dass wir wechselzeitig jederzeit füreinander Termine erfassen können und – durch Überlagerung mit den beruflichen Kalendern – auch einsehen können, wann Termine möglich sind.

Besonders interessant verspricht Google Wave zu werden: Werbewirksam erläutert Google dies als Neuerfindung der E-Mail. Der Dienst „E-Mail“ ist der meistgenutzte und gleichzeitig älteste Dienst im Internet; gewissermaßen wurde mit der E-Mail die Briefpost simuliert. Es liegt nun natürlich die Vermutung auf der Hand, dass mit der Fortschreitung des Internets und unserer Erfahrung mit online Medien bei einem Neuanfang vieles besser konzipiert werden könnte. Genau dies versucht Google mit dem Dienst Google Wave.

Google Wave ist ein Server-basierter Dienst zur Unterstützung der Kommunikation. Diese kann ähnlich einem Chat verlaufen, wobei darüber hinaus zeitgleich ein Text bearbeitet werden kann, jeder also unmittelbar die Änderungen des anderen sieht. In einer „Welle“ können sich viele Internetbenutzer gleichzeitig unterhalten und dabei auch sehr einfach Dokumente wie Fotos oder Videos in die Kommunikation einbinden. Durch eine offene Programmierschnittstelle kann Wave einfach in andere Anwendungen eingebunden oder um solche erweitert werden.

Google Wave hat das Potenzial, die Kollaboration und Kommunikation nachhaltig zu ändern: Mit Wave werden komplett neuartige Ansätze möglich um Dokumente – zum Beispiel einen Vertrag oder ein Angebot – mit mehreren Personen gleichzeitig zu bearbeiten. Dies wiederum könnte Trends wie die Heimarbeit massiv begünstigen, da die Möglichkeiten einer effektiven Zusammenarbeit wesentlich besser werden.


Das Ökosystem kollaborierender Dienste im Web 2.0. Tolles Bild, nicht von mir.


Bemerkenswert ist auch, dass die Dienste selbst kollaborativ werden. Dienste existieren nicht mehr losgelöst voneinander sondern haben immer häufiger offene Programmierschnittstellen um darauf vorbereitet zu sein, sich mit anderen Diensten zu verbinden. Diesen Aspekt möchte ich am Beispiel der Twittermap erläutern.

Twitter ist ein Nachrichtendienst zum Austausch von 140 Zeichen Kurznachrichten, wir sind hierauf bereits im Rahmen von Megatrend 2 etwas näher eingegangen. Googlemaps ist ein Kartendienst, zum Beispiel zu Lokalisierung von Adressen (etwa für den Immobilienerwerb) oder zur Routenplanung. Die Twittermap nutzt die Tatsache, dass beide Dienste offen konzipiert sind und sich über klare, dokumentierte Programmierschnittstellen „ansteuern“ lassen. Die Twittermap zeichnet zum Beispiel für einen Benutzer dessen „Follower“ graphisch ein; so sehen sie, wie sich ihre virtuellen Freunde geographisch verteilen. Auch ist es möglich, die regionalen Diskussionen rund um ein Thema live zu erleben. Wählen Sie in der Twittermap zum Beispiel Nordrhein-Westfalen und den Suchbegriff „Google Wave“, sehen Sie live wer in Nordrhein-Westfalen gerade was zu diesem Thema zu sagen hat. Die Leistung von Twittermap ist also gewissermaßen die „Klebeschicht“, die Google Maps mit Twitter verbindet; dies ist aber nur möglich, da die beiden Dienste per se kollaborativ ausgelegt sind, sich also mit anderen Diensten verbinden lassen.

Hier gäbe es noch viel zu ergänzen (z. B. Skype), dies ist schlicht der fehlenden Zeit zum Opfer gefallen.

Weiter geht's mit
Alles wird individualisierbar.

Montag, 14. Dezember 2009

Wie sich unsere Welt verändert: Vier Megatrends im Web. Folge 4: Was nicht im Web ist, existiert nicht.


Hinweis
Das nachfolgende Posting ist Teil einer Reihe zusammengehöriger Beiträge, die in Summe ein zusammenhängendes Dokument ergeben; die Beiträge erscheinen grob alle 3-4 Tage und werden miteinander verlinkt, so dass sich nach der endgültigen Fertigstellung auch ein normaler Lesefluss möglich ist.

Hier geht's zum vorherigen Eintrag:
Alles ist für jeden immer zugänglich.


Megatrend 2: Was nicht im Web ist, existiert nicht.
Den zweiten Megatrend kann in Anlehnung an Jeff Jarvis „Was nicht bei Google auffindbar ist, existiert nicht“ (aus einem Erfolgsbuch „Was würde Google tun?“) mit folgender Aussage zusammenfassen: „Was nicht im Web ist, existiert nicht.“

Auch dies ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs, aber die Tendenz ist klar erkennbar: Immer mehr Aspekte unseres Lebens werden im Internet verfügbar und dort auch z. T. dauerhaft archiviert.
Unser erster Megatrend besagt, dass jeder zu jedem Zeitpunkt auf das Internet nahezu kostenfrei zugreifen kann – sowohl um Inhalte zu beziehen als auch solche einzuspeisen. Die natürliche Fortsetzung in Form des Megatrends 2 besteht nun darin, auch tatsächlich alle Facetten des eigenen Lebens digital zu erfassen und ins Internet zu übertragen.

Natürlich ist das in dieser Überspitzung noch Zukunftsmusik. Zumindest punktuell „leben“ viele diesen Megatrend aber schon heute.


Von der Wiege bis zur Bahre

Nicht selten wird bereits die Geburt eines Menschen digital auf Videokamera aufgezeichnet. Zwar wird dies möglicherweise nicht direkt und live ins Internet übertragen.  Trotzdem ist der Unterschied nur marginal: Die Videos werden digital gespeichert und Kopien an Freunde gegeben. Der Unterschied ist nur die Art der Verbreitung: Zukünftig, so denke ich, wird das Video zentral auf einem Server (im Internet) abgelegt und per Zugriffsrechte definiert, wer das Video ansehen darf. Heute erfolgt dies umständlich durch das Kopieren und Verbreiten von CDs oder DVDs.

Auch die sonstigen Lebensphasen werden digital erfasst. Man denke an das Blitzlichtgewitter bei der Einschulung eines Kindes und der gleichermaßen beeindruckenden Präsenz von Kameras bei allen sonstigen wichtigen Ereignissen.

Nicht nur werden dabei Ereignisse medial begleitet und per Internet verteilt. Auch die Ereignisse selbst werden digital dokumentiert und diese Dokumentation scheint teilweise fast wichtiger als der reale, dahinter stehende Akt.

So kann man beispielsweise im sozialen Netzwerk Facebook seinen eigenen Beziehungsstatus dokumentieren. In Griechenland hat ein wutentbrannter Ehemann seine Ehefrau ermordet, da diese den Beziehungsstatus auf Facebook von „verheiratet“ auf „es ist schwierig“ verändert hat. Solche tragischen Ereignisse sind glücklicherweise Ausnahmefälle, illustrieren aber trotzdem, welche Bedeutung den digitalen Informationen über unser Leben bereits beigemessen wird.

Und auch der Tod nimmt immer mehr Einzug ins Internet. Längst müssen (oder sollten) sich Dienste mit der Tatsache beschäftigen, dass Nutzer versterben. So habe ich beispielsweise im Kontaktnetzwerk von XING einige „Freunde“, die mittlerweile verstorben sind. Dies wird in der Plattform bislang in keinster Form kenntlich gemacht oder berücksichtigt – ein Zustand, der sich sicherlich bald ändern muss!

Längst gibt es virtuelle Friedhöfe und digitale Andachtsstellen. Hier können Kondolenzbriefe geschrieben werden, gleichzeitig aber auch auf digitale Artefakte des Verstorbenen zugegriffen werden.
In diesem Zusammenhang ist es nur konsequent, wenn ein großer Festplattenhersteller kürzlich eine Werbekampagne unter dem Motto „Save your life“ geführt hat. Möglicherweise ist die digitale Speicherung ja der Schlüssel zum „ewigen Leben“; auch wenn dies dann natürlich eine gänzlich andere Bedeutung hat.


Ewiges Leben 2.0?

Auch heute schon gibt es Menschen, die ihr Leben „7 Tage 24 Stunden pro Woche“ digital aufnehmen uns ins Internet übertragen; ein ganzes Portal für solche digitalen Exhibitionisten findet Interessierte unter http://trueman.tv


Trueman TV

Zusammenfassend ist die Aussage des zweiten Megatrends dass alles, das geschieht, auch in der einen oder anderen Form ins Internet übertragen wird. Ob dies dann der ganzen Menschheit, wenigen definierten Individuen oder möglicherweise niemandem per Berechtigungsstruktur zur Verfügung gestellt wird, ist eine andere Frage.

Hier geht's weiter zu:
Alles wird kollaborativ.

Samstag, 12. Dezember 2009

Ein Schritt in die Gegenwart - Reduktion der temporalen Schizophrenie


Ich fühle mich ein wenig als ob ich an einer art temporalen Schizophrenie erkrankt sein könnte; irgendwie lebe ich bzgl. unterschiedlicher Dinge in grundverschiedenen Zeiten, die von der tiefsten Vergangenheit - sagen wir Steinzeit - bis zur nahen Zukunft rangieren.

Zur nahen Zukunft zähle ich die Status-"preview" Applikationen wie Google Wave, zur Gegenwart z. B. die Social Networks und die üblichen Verdächtigen im Web 2.0.
Und die Steinzeit habe ich, wie ich finde, eindrucksvoll hier abgebildet.

Noch eine Woche nutze ich dieses antiquierte Gerät und verwende dies für als grotesk veraltert verspottete Dienste wie Telefonieren und SMS.

Nun, ich arbeite an meinen Krankheiten. Also gehe ich einen Schritt in die Gegenwart:
Zur Reduktion meiner temporalen Schizophrenie.

Ab Ende nächster Woche mutiere ich dann auch zum Nutzer eines iPhones und experimentiere gerade mal damit rum. Es fühlt sich zunächst an wie ein Endgerät mit schicker Oberfläche und den (im Grunde zu erwartenden) Funktionen und Möglichkeiten eines Webzugangs. Der zweite Eindruck bringt keine neuen Erkenntnisse (für mich) und ich warte noch, was der n-te Eindruck zu bieten hat.

Für Tipps bin ich - als iPhone DAU und Neu(be)nutzer - natürlich wärmstens dankbar.
Jetzt schon spüre ich auf jeden Fall dass es sich gut anfühlt, zu gesunden.

Und trotzdem werde ich wohl noch ab und zu die antiquierten Dienste weiternutzen
Ich freue mich schon, eine SMS mit dem iPhone zu schreiben, bin - ehrlich gesagt - gerade jetzt aber erstmalig auf diese Idee gekommen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Idee selbst - einer SMS per iPhone zu schreiben - eine temporale Schizophrenie innewohnt...

PS: Falls jemanden interessiert, warum die Wahl auf's iPhone gefallen ist, habe ich eine einfache Antwort. Wir haben dies zum Firmenstandard erkoren. Da möchte ich nicht mit etwas Android-basiertem querschießen, insofern basiert die Wahl nicht auf persönlichen Auswahlkriterien.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Wie sich unsere Welt verändert: Vier Megatrends im Web. Folge 3: Alles ist für jeden immer zugänglich.


Hinweis
Das nachfolgende Posting ist Teil einer Reihe zusammengehöriger Beiträge, die in Summe ein zusammenhängendes Dokument ergeben; die Beiträge erscheinen grob alle 3-4 Tage und werden miteinander verlinkt, so dass sich nach der endgültigen Fertigstellung auch ein normaler Lesefluss möglich ist.

Hier geht es zum vorherigen Eintrag:
Die vier Megatrends.

Megatrend 1: Alles ist für jeden immer zugänglich.

Besonders unstrittig erscheint auf den ersten Blick der Megatrend Nummer 1, der sich auf die Zugänglichkeit bezieht. Plakativ formuliert besteht der Trend darin, dass sich die Zugänglichkeit im Web dramatisch verbessert hin zu dem Ideal, dass alles für jeden immer zugänglich sein wird.

Dieser Trend hat begonnen mit dem Zugang zum Internet. Fast egal welche Größe man heranzieht, die technische Entwicklung führt zu einem dramatischen Verfall der Kosten, z. B. bezogen auf Speicher, Bandbreite, Telefongebühren oder der Kosten von Endgeräten. Als Konsequenz dessen wird es für immer mehr Menschen immer häufiger möglich, sich mit dem Internet zu verbinden.

Eine Fortsetzung erfährt dieser Trend auch in den Plattformen bzw. den Diensten, die über das Internet angeboten werden und/oder erforderlich sind um solche Dienste bereitzustellen. Egal ob Betriebssysteme, Web Server oder Datenbanken, die open source Bewegung hat hier dramatische Spuren hinterlassen in Form verfallender Preise oder gar kostenfreier Angebote.


Infrastruktur und Dienste

Dies setzt sich unmittelbar in den Internet-Diensten fort. Ob Fotos (z. B. Flickr) oder Videos (z. B. YouTube), ob soziales Gemeinschaften (z. B. Facebook), Mikroblogging (z. B. Twitter)  oder die Internetsuche (z. B.  Google) – alle diese Dienste stehen den Benutzern kostenfrei zur Verfügung und beziehen typischerweise ihre Einnahmen aus sehr effektiv geschalteter Werbung.

Zahlen belegen die Nutzung des Internets eindrucksvoll:

(1) US-Forscher schätzen das „Datenvolumen“ des Internets auf 10 Exabyte. Zur Erläuterung:

  • 1 Exabyte = 1.000 Petabyte
  • 1 Petabyte = 1.000 Terabyte
  • 1 Terabyte = 1.000 Gigabyte
  • 1 Gigabyte = 1.000 Megabyte
  • 1 Megabyte = 1.000 Kilobyte
  • 1 Kilobyte = 1.000 Byte
  • 10 Exabyte sind 10^19 Byte. 

Zum Vergleich: Das menschliche Gehirn hat ca. 100 (10^11) Milliarden Neuronen und 1 Billion (10^12) Synapsen.

(2) Würde man versuchen, das Internet auf DVD zu speichern, bräuchte man bei angenommenen 100 GB pro DVD eine Menge von 10^8 DVDs. Diese würden sich bei einer unterstellten Höhe von 15mm (inkl. Cover) zu einem Turm aufstapeln, der ca. 1.500km Höhe hätte - und damit in das sogenannte Medium Earth Orbit reichen würde.

(3) Google hat über 1 Billion einzelne Seiten im Internet indiziert. Die Weltbevölkerung wird auf 6,8 Milliarden Menschen geschätzt. Durchschnittlich ergibt dies 147 Seiten pro (lebendem) Mensch.

(4) In den vergangenen zwei Monaten wurden so viele Videos ins Internet geladen, als hätten drei große US-Fernsehsender seit 1948 durchgehend rund um die Uhr gesendet.


Demographie

Auch regional und demographisch ist dieser Trend erkennbar und könnte sehr positive Nebenwirkungen für unsere Gesellschaft haben. Noch gibt es ein Ungleichgewicht in der Internetbenutzung sowohl regional (Entwicklungsländer sind schlechter angebunden als Industrienationen) und demographisch (besonders stark ist die Gruppe der gut gebildeten, männlichen Personen unter 40 Jahren). Aber diese Unterschiede nivellieren sich immer mehr.

Durch die unterschiedlichsten Programme wird das Internet über die ganze Welt hinweg für jede Person zugänglich. Und zwar nicht nur theoretisch sondern auch praktisch: Immer mehr Kinder nutzen das Internet bereits in der Schule (und später ggf. auch im Kindergarten), immer mehr ältere Menschen verstehen das Internet als Chance und können sich dadurch mit anderen Menschen verbinden um somit auch etwa der Altersvereinsamung aktiv entgegenzuwirken.

Es würde mich nicht überraschen, wenn es früher oder später eine Art Grundrecht wäre, einen freien Zugang zum Internet zu haben – schlicht und ergreifend aufgrund der Tatsache, dass sich dort ein wesentlicher Teil unseres gesellschaftlichen und auch politischen Wirken abspielen wird.

Ein Aspekt des Trends ist, dass jedes Individuum die Möglichkeit des Internetzugriffs haben wird.

Ein weiterer Aspekt besteht in der Tatsache, dass dieser Zugang zu jedem Zeitpunkt besteht. Die ersten Entwicklungen in diese Richtung waren der mobile Zugang via Notebook und UMTS (oder anderen Technologien). Unvergesslich sind hier die Vorstellungen in der Werbung mit spärlich bekleideten Damen, die auf einer Wiese liegen und sich die Freiheit nehmen mit ihrem Notebook im Internet zu surfen.


Zeitlich und örtlich

Dabei hat uns die Realität längst überholt: Gerade andersartige Zugangsgeräte wie etwa das iPhone verändert die Welt, mit solchen Geräten nähern wir uns schon heute der Vorstellung, dass jeder zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit hat sich mit dem Internet zu verbinden.

Aber hier ist längst nicht Schluss. Bislang hat sich die Betrachtung dieses Trends vor allem auf den Aspekt bezogen, das Internet zu nutzen mit der vermutlich unterschwelligen Auffassung, dies hieße den Zugriff auf Inhalte des Internets.

Das ist aber nicht das Ende der Fahnenstange: Ich denke, dass jedes Individuum auch als Anbieter von Inhalten im Internet fungieren wird – global und zu jedem Zeitpunkt.

Bereits heute gibt es Prototypen von Brillen, die mit einer Kamera und einem Mikrofon ausgestattet sind. So wird es möglich, die individuellen Wahrnehmungen automatisch aufzunehmen und per Internet zu speichern. (Wozu dies sinnvoll sein könnte, diskutieren wir im Rahmen der nächsten Trends – hier geht es zunächst nur um die Möglichkeit bzw. die entsprechende Zugänglichkeit.)


Aktiver Zugang

Wesentlich könnte sich dieser Trend auch in der Medizin auswirken: Hier ist es möglich, biometrische Informationen kontinuierlich zu erfassen und zu übertragen mit der Chance einer besseren medizinischen Versorgung.  Hier wäre es gar denkbar, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt dafür sanktioniert werden, wenn wir uns vom Netz und den Messungen trennen – vergleichbar der Sanktionierung die man aktuell erfährt, wenn man auf die periodischen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt verzichtet.

Es gibt sogar Anwendungen, bei denen es von zentraler Wichtigkeit ist, dass die Verbindung permanent existiert, zum Beispiel bei elektronischen Fußfesseln, die aktuell allerdings noch nicht per Internet gesteuert werden.

Hier geht's weiter zu:
Was nicht im Web ist, existiert nicht.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Hochs und Tiefs in einem Leben mit Google Wave, Teil I


Ich liebe das Prinzip von Google Wave - von Anfang an. 
Google Wave ist kein Facebook, kein Twitter und wird auch die E-Mail nicht ersetzen; meines Erachtens wird es aber dennoch einen erheblichen Einfluss auf unsere Kommunikation haben - und zwar gerade im Geschäftsleben.

Da wir uns - bei QuinScape - mit Portalen beschäftigen, sind die Themen Kommunikation und Kollaboration selbstverständlich von zentraler Bedeutung für und und unsere Kunden. Folgerichtig informieren wir heute in einem durchaus sichtbaren Google Wave Kompaktworkshop (mit etwa 60 Teilnehmern) über unsere Einschätzung dieses PPP (Google Wave: Produkt,Protokokls, Plattform) und die zukünftige Bedeutung.

Mein erster Ansatz war klassisch. Viel Powerpoint. Nette Bildchen, ein paar Videos und Animationen, dann ein paar Praxisbeispiele.

Schnell ist mir aber bewusst geworden, dass die dauerhafte Konfrontation der Teilnehmer mit Google Wave von zentraler Wichtigkeit ist; nur so kann der Funke überspringen.
Gesagt, getan: Kein Powerpoint, keine Client-Applikationen (außer Google Chrome), die ganze Präsentation, der ganze Workshop soll über Google Wave selbst laufen.

Der dazu erforderliche Umbau der Präsentation hat erstaunlich gut geklappt. Es gibt eine "Masterwelle", in die für einzelne Themenblöcke "Spezialwellen" eingeklingt sind, die jeweils aus Text, Bildern und Videos sowie Links bestehen. Das ganze fühlt sich ein wenig an wie eine Mischung aus Powerpoint-Folien und Notizzetteln, was zusammen per WIKI-Prinzip bearbeitet wird.

Obwohl Google Wave nicht für Präsentationen gedacht ist, bin ich begeistert davon gewesen, dass selbst dies möglich ist und insbesondere die Vorbereitung solcher Präsentationen äußerst angenehm und auf teils (für mich) neuartige Weise unterstützt wird.

Gestern abend habe ich praktisch erprobt, dass man die Präsentation von jedem Rechner der Welt halten kann, mit dem man per Internet und geeignetem Browser auf Google Wave zugreifen kann. Toll, diese neue Freiheit.

Und was passiert dann heute morgen?
Keines der Bilder - die quasi das Pendant der Folien in Powerpoint darstellen - ist mehr vorhanden. Katastrophal, diese Abhängigkeit.

Freiheit versus Abhängigkeit.
Ich weiß, ich spiele mit dem Feuer - wir befinden uns in einer Preview-Phase und das "Dateien verschwinden"-Problem ist bekannt.

Das wird mich aber nicht von meiner praktischen Vorgehensweise abbringen. Die Bilder sind längst wieder hochgeladen - und wenn's nicht hilft, mach ich das halt nochmal. Also geht es weiter für mich,
weiter mit den Hochs und Tiefs in einem Leben mit Google Wave.

Montag, 7. Dezember 2009

Wie sich unsere Welt verändert: Vier Megatrends im Web. Folge 2: Die vier Megatrends.


Hinweis
Das nachfolgende Posting ist Teil einer Reihe zusammengehöriger Beiträge, die in Summe ein zusammenhängendes Dokument ergeben; die Beiträge erscheinen grob alle 3-4 Tage und werden miteinander verlinkt, so dass sich nach der endgültigen Fertigstellung auch ein normaler Lesefluss möglich ist.

Hier geht's zum vorherigen Beitrag:
Einleitung und Motivation.


Die vier Megatrends

Bei der Suche nach Megatrends hatte ich zunächst das Problem, den Wald vor lauter Bäume nicht zu erkennen. Es gibt so viele uns umgebende Entwicklungen, neue Technologien und Dienste sowie Trends. Insofern habe ich die Hauptaufgabe darin gesehen, Struktur in diese Trends zu bekommen und damit einige Gebiete des fiktiven Waldes zu markieren. Hierbei bin ich schlussendlich zu vier Megatrends gekommen, die sich auch bei Diskussionen als äußerst stabil erwiesen haben und die jeder für sich genommen zunächst äußerst unspektakulär klingen. Dies allerdings habe ich sogar als positives Zeichen gewertet: Da ich bei Megatrends gerade davon ausgehe, dass diese bereits wirken, wäre eine Überraschung ein schlechtes Zeichen, dass der postulierte Trend nämlich eine reine „Glaskugelvorhersage“ wäre.

Die hier postulierten vier Megatrends sind unspektakulär und im Ansatz auch kaum in Frage zu stellen. Interessant und spannend wird es eher, wenn man die Fortsetzung der Trends und damit die Implikationen der nahen Zukunft betrachtet. Diese sind für mein Verständnis plausibel und wahrscheinlich, dennoch aber nicht offensichtlich. Genau dies hatte ich mir ursprünglich erhofft.

Die vier Megatrends möchte ich nun nachfolgend genauer darstellen. Die Reihenfolge ist dabei nicht willkürlich sondern die Trends bauen aufeinander auf, wirken aber dennoch parallel.




Persönliche Anmerkung: Ich weiß, das klingt jetzt gänzlich unspektakulär und man erwartet hinter Zugänglichkeit zum Beispiel eine hohe Bandbreite. Dem ist aber nicht so.

Wie gesagt befindet sich bei der konsequenten Weiterdenkung hinter jedem der Trends mehr als man auf den ersten Blick erwartet.

Und wie gesagt können aktive Megatrends auch nicht gänzlich überraschend sein. (Das verkauft sich zwar besser, wird dadurch aber nicht zutreffender.) Lesen Sie einfach weiter die Details der Megatrends und überzeugen Sie sich davon, dass dies keine Trivialitäten sind!

Hier geht es weiter zu
Megatrend 1: Alles ist für jeden immer zugänglich.

Management versus Unternehmertum; Wandel versus Stabilität


Ich muss gestehen, dass ich mich binnen weniger Wochen zu einem echten Fan von Herrn Prof. Dr. Peter Kruse entwickelt habe. Die Kombination aus analytischen Fähigkeiten, fachlichem Background, praktischen Erfahrungen im Management und gleichzeitig einer gewissen Menschlichkeit sind überzeugend.

Ausgehend von dieser Vorrede möchte ich wärmstens das folgende Video empfehlen:


Hier spricht Prof. Dr. Peter Kruse vordergründig über Change Management, nimmt dies aber als willkommenen Anlass um zwischen Management und Unternehmertum zu unterscheiden.

Ein System kann nicht ständig im Wandel sein sondern strebt Stabilität an; alles andere wäre Chaos.

Management verbessert Prozesse und damit die Effektivität ohne echten Wandel. Unternehmertum heißt unternehmerisches Risiko und damit die Bereitschaft, ein System gezielt so zu "stören", dass es sich von einem stabilen Punkt zum nächsten bewegt; das erfordert Mut und geht mit dem Risiko einher, dass der nächste Punkt nicht erfolgreicher ist. Ein wesentlicher Bestandteil der unternehmerischen Leistung ist der Mut zu solchem Wandel; diesem Aspekt wird man nicht gerecht, wenn man nur rückblickend den Erfolg bemisst.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Best of Denglisch


Als Reaktion auf meinen Beitrag "Realsatire in Dortmunder Innenstadt: Was ist dieses Saaale?" hat mir Martin freundlicherweise die beiden nachfolgenden Fundstücke per E-Mail weitergeleitet, die ich niemandem vorenthalten möchte.


"... jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate- identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!"

Hilmar Kopper, vormaliger Vorstandsprecher der Deutschen Bank
Süddeutsche Zeitung März 2007 (www.sueddeutsche.de/kultur/bildstrecke/847/106741/p0/?img=7.0)

After Sales Service
Kulturverlust im Automobilbereich

Aus dem Redeprotokoll der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 3. Mai 2006 in Hamburg:
Redebeitrag von Herrn Dr. Teunis:

Vors. Prof. Dr. Piëch: Ich bitte Herrn Dr. Teunis, Braunschweig, ans Pult.

Dr. Teunis: Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich vertrete eigene
Aktien…..etc.
……Ich habe vor einigen Monaten einen Passat bestellt und dabei erfahren, dass man fundierte Englischkenntnisse braucht, um alles zu verstehen, was angeboten wird.

Bei der Ausstattung kann man wählen zwischen Trendline, Highline, Sportline und Comfortline. Bei den Motoren gibt es u. a. TDI und FSI. Was "FSI" bedeutet, weiß der Berater nicht genau; es heiße wohl "Full Selected Injection" oder so. In Wirklichkeit heißt es natürlich "Fuel Stratified Injection".

Es gibt weiterhin den FSI 4MOTION. Meine Nachfrage nach der Bedeutung von "4MOTION" lautet: "Das ist doch klar: unser Allradantrieb!" Der Berater weiß nicht, dass die korrekte Übersetzung für Allradantrieb "Four wheel drive" ist. "4MOTION" ist eine grammatikalische Unmöglichkeit und stellt eine böse Verstümmelung der englischen Sprache dar. Denn "Motion" für Bewegung kann morphosyntaktisch nicht mit einer Zahl kombiniert werden. Im Englischen ist das genau so unmöglich, wie es "4Bewegung" im Deutschen wäre.

Bei den Farben ist es so bunt, dass es mir wegen der vielen englischen Qualifizierungen einfach zu bunt wird, bei denen man sich offenbar nicht die Mühe gemacht hat, nach deutschen Äquivalenten zu suchen. Ich darf wählen aus Candy-Weiß, Granite Green, Arctic Blue Silver, Wheat Beige, Shadow Blue, United Silver usw.

Gibt es wirklich keine treffenden deutschen Namen für unser deutsches Produkt? Wo bleibt die Kreativität unserer Werbeabteilung?

(Beifall)

Darüber hinaus bietet die Volkswagen Individual GmbH ein individuelles Designpaket aus Sensitive-Leder, in Snow Beige und Türinserts in zeitlosem Design. Und dann zum Entertainment: Ich darf bestellen: Multimedia-Kit, PhatBox und Rear-Seat-Entertainment-Geräte. Bei all den englischen Vokabeln, die ich höre und lese, frage ich mich: Ist das eine Beratung für einen deutschen Kunden oder einen englischen Kunden?

Nun fahre ich ihn, den Passat, und muss mich zurechtfinden mit Bezeichnungen wie TIM für Traffic Information System, TMC für Traffic Message Channel, EPC für Electronic Power Control, ACC für Adaptive Cruise Control, mit MUTE, DEST, NAV, MAP, Scan und Autostore, mit Autohold, Reset, SPEED, CANCEL,

(Heiterkeit und Beifall)

mit KESSY für Keyless Entry Start Exit System. - Es ist ein Graus, meine Damen und Herren!

(Beifall)

Es gibt nicht nur die unverständlichen Abkürzungen, sondern unter dem Navigationssystem prangt ein Satz: PASSENGER AIR BAG OFF. - Zu Deutsch, frei übersetzt: Passagier Luft Sack aus.

(Heiterkeit)

Ohne Englischkenntnisse und intensives Studium des Bordbuches kommt man nicht mehr zurecht! Warum steht auf dem Zündschloss der Schriftzug "ENGINE Start/Stop"? Es ging doch Jahrzehnte ohne diesen völlig überflüssigen und unverständlichen Hinweis! Nach der Übergabe des Fahrzeugs war früher der Kundendienst für mich zuständig. Nun ist er umbenannt worden in After Sales Service.

(Heiterkeit)

Das ist absolut nicht einzusehen. Das ist nicht nur rücksichtslos, sondern es erscheint mir auch verkaufsstrategisch gesehen als dumm, so mit deutscher Kundschaft umzugehen.

(Beifall)

Ich empfehle, sich ein Beispiel an McDonald's zu nehmen. McDonald's hat in Deutschland bis vor gut einem Jahr mit "Every time a good time" geworben. Eine Marktanalyse ergab, dass dieser Werbespruch von der Bevölkerung nicht verstanden wurde. McDonald's hat seinen Werbespruch geändert in "Ich liebe es!".

(Heiterkeit und Beifall)

Aus demselben Grund hat auch unsere Konzerntochter Audi umgeschwenkt von "Driven by Instinct" auf "Pur und faszinierend". Herr Dr. Bernhard, auch Ihre Mitarbeiter in der Produktion verstehen nur unzulänglich Englisch. Sie haben trotzdem vier "Product Units" - abgekürzt PUs - für vier selbständig wirtschaftende Einheiten eingeführt. Es sind dies die PU A-Klasse, die PU Presswerk, die PU Trim und die PU Fahrsysteme - ein schönes Mischmasch aus Deutsch und Englisch!

Gemeint sind aber offensichtlich gar nicht "Product Units", sondern "Production Units". Abgesehen von diesem Fehler empfehle ich, die jetzt von Ihnen eingeführte Bezeichnung "Product Unit" wieder zurückzunehmen. Die bisher gebräuchliche "Fertigung" kann genau so wirtschaftlich arbeiten wie eine "Product Unit".

(Beifall)

Meine Damen und Herren, wenn der Kunde nachhaltig an Volkswagen gebunden werden soll, muss die Sprache stimmen. Die ist für deutsch Sprechende nun mal Deutsch und kein deutsch-englisches Mischmasch.

(Beifall)

Außerdem hat jeder das Recht, nicht Englisch zu können.

(Beifall)

Herr Dr. Pischetsrieder, ich habe abschließend zwei Fragen und einen Vorschlag. Meine erste Frage: Beabsichtigen Sie, im deutschen Volkswagen Konzern, der bereits seit Jahrzehnten global agiert, jetzt zunehmend englische Bezeichnungen einzuführen, insbesondere auch dann, wenn es gute deutsche Wörter gibt? Meine zweite Frage: Ist schon einmal geprüft worden, welche Haftungsrisiken bestehen, falls ein des Englischen nicht mächtiger Kunde den im Zweifel lebenswichtigen Warnhinweis "PASSENGER AIR BAG OFF" nicht berücksichtigen konnte?

Und nun mein Vorschlag: Herr Dr. Pischetsrieder, Sie haben vor gut einem Jahr einen neuen Namen für unseren deutschen Volkswagen Konzern gesucht, um eine Abgrenzung zu Volkswagen Aktiengesellschaft zu erreichen. Ich habe auf der letzten Hauptversammlung "People's Wagon Group" vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.

(Beifall)

Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands: Das müsste doch ganz in Ihrem Sinn gewesen sein, Herr Teunis!

(Heiterkeit)

Dr. Teunis: Ich versuche es heute mit einem anderen Vorschlag. Falls Sie eine englische Bezeichnung für unseren Betriebsrat suchen sollten, ich habe ein Angebot: "Work Council" mit der Abkürzung "WC".

(Große Heiterkeit und Beifall)

- Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Ihnen mein Vorschlag so gut gefällt. Dann dürfen wir zusammen auf die Antwort von Herrn Dr. Pischetsrieder gespannt sein. Falls der Vorschlag angenommen wird, kann der Worker an der Finishline künftig während oder nach seiner Shift zu seinem vertrauten WC gehen.

(Heiterkeit)

Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche allen Volkswagen-Fahrern eine gute Zusammenarbeit mit ihrem After Sales Service.

(Heiterkeit und Beifall)

Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands: Herr Teunis, Ihre Anregungen zur Verwendung der deutschen Sprache finde ich so unterhaltsam, wie auch Sie, verehrte Aktionäre, sie fanden. Es ist so, dass manche der Bezeichnungen, die Sie im Fahrzeug finden, tatsächlich international genormt sind. Ihre spezielle Frage: Was passiert denn mit dem Hinweis "Airbag off" für den Fall, dass jemand nicht englisch lesen kann? - In der Betriebsanleitung ist genau beschrieben, was das auf Deutsch heißt. Ich glaube trotzdem - das
sage ich durchaus aus Überzeugung -, dass die allzu intensive Verwendung der englischen Sprache im Deutschen nicht nur im Automobilbereich ein gewisser Kulturverlust ist.

(Beifall)

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. Geert Teunis

Die Sprache ist der Spiegel einer Nation. Wenn wir in diesen Spiegel schauen,
so kommt uns ein großes treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.
*
Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache.

Friedrich Schiller

Samstag, 5. Dezember 2009

Gut dass Borussia gewonnen hat. Das kaschiert den Rest.


Heute liest man in der Dortmunder Zeitung Ruhr Nachrichten (natürlich geschickt auf unterschiedliche Seiten versteckt):

  • U-Tum-Sanierung wird teurer - rund drei Mio. EUR.(und "Dass den völlig maroden Zustand die verschiedenen Gutachten nicht im Vorfeld ermittelt hatten, wundert ihn nicht. Man kann kein Gebäude in Gänze untersuchen.")
  • Flughafen: Noch mehr Schulden. 25 Mio EURO Miese. Der Flughafen bleibt beim Schuldenmachen Spitze.
  • Halle: Krise verhagelt die Bilanz. "Die Westfalenhallen Dortmund GmbH rechnet mit einem Rekordminus, das noch über dem den vergangenen Jahres (minus 1,9 Mio Euro) liegt."

Das ist schon bemerkenswert für eine Stadt, die ehedem nur noch sehr knapp das Recht behalten hat eigenständig über die Finanzen entscheiden zu dürfen.

Etwas traurig finde ich in diesem Kontext die unverblümte Dreistigkeit wie es im Lokalradio formuliert wird: "Dortmund muss sparen. Die Gewerbesteuer steigt und das Sozialticket wird teurer".

So sieht also sparen aus...

Aber worüber reg' ich mich auf.
Der BVB hat gewonnen, es ist Weihnachtsmarkt und morgen gibt's auch wieder andere Nachrichten.
"Schlaf Kindlein Schlaf".
Und wenn Du nicht schläfst, mach alles, nur denk' bitte nicht nach.

Wie sich unsere Welt verändert: Vier Megatrends im Web. Folge 1: Einleitung und Motivation.


Hinweis
Das nachfolgende Posting ist der erste aus einer ganzen Reihe zusammengehöriger Beiträge, die in Summe ein zusammenhängendes Dokument ergeben; die Beiträge erscheinen grob alle 3-4 Tage und werden miteinander verlinkt, so dass sich nach der endgültigen Fertigstellung auch ein normaler Lesefluss möglich ist.


Einleitung und Motivation

Im Rahmen einer Kundenveranstaltung habe ich mich für meinen Vortrag mit der Frage auseinander gesetzt, welche Megatrends wir derzeit im Internet erfahren. Ich beschränke mich dabei bewusst auf das Thema Web bzw. Internet, da ich mir auf diesem Gebiet zumindest anmaßen kann, über eine solche Fragestellung nachzudenken.

Nun, der erste Schritt bei der Beschäftigung mit einer solchen Fragestellung liegt nahe: Ich habe über Google gesucht, was sich im Internet zu diesem Thema findet. Das Ergebnis hat mich ehrlich überrascht. Zwar gibt es wie übliche tausende Fundstellen. Dennoch eint diese alle eine Eigenschaft, die Grund für meine Verblüffung war.

Als Beispiel möchte ich eine Fundstelle zitieren, die von Gartner stammt. Das US-amerikanische Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner (www.gartner.com) „definiert“ seit einigen Jahren die strategischen Thementrends der kommenden Jahre für die IT-Branche:
Konkret werden hier folgende Megatrends für das Jahr 2008 postuliert:

Green IT, Unified Communications, Modellierung von Geschäftsprozessen durch effiziente Rollendefinition, Metadaten-Management mit einem Zusammen-wachsen von internen und externen Daten zu einem Enterprise Information Management (EIM), Virtualisierung 2.0, Mashup & Composite Applikationen, Web-orientierte Architektur (WOA) als Nachfolger Service-orientierter Architektur (SOA), Computing Fabric als kommende Generation des Blade-Computing, Real World Web und Social Software.

Was mich persönlich verblüfft ist, dass hier von Megatrends für ein Jahr gesprochen wird. Zugegeben, die Studie ist sicherlich gut recherchiert und die genannten Trends haben sicherlich auch einen wichtigen Stellenwert in der Entwicklung des Internets.

Allerdings hatte ich ein gänzlich anderes Verständnis von dem Begriff Megatrend, der insbesondere auch dazu führt, dass „Megatrends des Jahres 2008“ ein Widerspruch in sich ist. Die genannten Trends machen auf mich ein wenig den Eindruck als spräche man im Zusammenhang mit der Automobil-Industrie vom Megatrend „Schiebedach“. Ein solcher Trend kann durchaus existieren und für die Branche auch kurz- und mittelfristige Bedeutung haben; von einem Megatrend zu sprechen halte ich aber für übertrieben.

Unter einem Megatrend verstehe ich einen lang anhaltenden Trend, der zu nachhaltigen Änderungen führt. Ein Megatrend erstreckt sich über 5-25 Jahre und kann nur schwer und mit viel Ungewissheit vorhergesehen werden. Mein ursprüngliches Ziel war insofern schlicht und ergreifend, wichtige Megatrends die bereits aktiv sind zu erkennen und zu formulieren – nicht mehr und nicht weniger.

Die Suchergebnisse zu diesem Thema haben mich bestärkt, dass es sich durchaus lohnt sich hierzu Gedanken zu machen. Zumindest habe ich nichts Vergleichbares gefunden und finde es insofern gerechtfertigt, meine persönliche Meinung zu diesem Thema beizutragen.

Hierzu bin ich übrigens äußerst unwissenschaftlich und pragmatisch vorgegangen. Ich habe mir zunächst persönlich eine Meinung gemacht und die Ergebnisse als MindMap aufgeschrieben. Dieses Ergebnis habe ich mit einigen Leuten diskutiert und von deren Wissen zu profitieren versucht indem ich die vielen Anregungen und Ideen in den Vortrag und damit diese Ausarbeitung habe einfließen lassen.

Es würde mich freuen, wenn diese Gedanken „lebendig“ bleiben: Jeder Leser mag sich seine eigenen Gedanken machen und Anregungen zu diesem Thema haben, die ich liebend gerne aufgreifen und auch einarbeiten würde. Zögern Sie nicht, kontaktieren Sie mich einfach und helfen Sie, diese Gedanken stetig zu verbessern und am Leben zu erhalten!

Hier geht's weiter zum nächsten Eintrag:
Die vier Megatrends.

Realsatire in Dortmunder Innenstadt: Was ist dieses Saaale?


In einem 08/15-Laden in der Dortmunder Innenstadt (irgendeine Kette, hätte überall in Deutschland sein können) durfte ich eben Zeuge eines wunderbaren Dialogs werden, den ich niemandem vorenthalten möchte.

Hier sind zwei Generationen aufeinander getroffen: ein älterer Mann ("Opa"), der einen bodenständigen Eindruck gemacht hat und eine gewollt (aber nicht gekonnt) schicke Verkäuferin mit bemerkenswert dicken Ganzkörperanstrich ("Schnepfe").

Opa: Guten Tach. Was ist eigentlich dieses Saaale?

Schnepfe: Saaale? Was für'n Saaale?

Opa: Na, dieses Saaale halt, steht doch überall in ihrem Schaufenster.
(Opa zeigt auf Sale-Schild)

Schnepfe: Ach Säil, Sie meinen Säil!

Opa: Von mir aus. Säil. Was ist dieses Säil?

Schnepfe: Das ist englisch, das heißt Verkauf.

Opa: Sie schreiben überall an ihren Laden dran, dass Sie die Sachen verkaufen? Verkauft nicht jedes Geschäft Sachen?

Schnepfe: Äh, nein, ja, doch. Naja, das macht man halt.

Opa: Und warum schreiben Sie nicht Verkauf an ihren Laden?

Schnepfe: Nein, das geht nicht, das wäre ja auch uncool, wissen Sie.

Opa: Aha. Danke. Interessante Welt.

Irgendwie hat der Mann recht.

Freitag, 4. Dezember 2009

Deswegen gibt es Marketingmerkmale

In einem System für den planvollen Umgang mit Kundendaten (Kundenbeziehungsmanagement, CRM) gibt es üblicherweise Marketingmerkmale zur Segmentierung der Kunden bzw. Interessenten. Diese Marketingmerkmale können von Hand vergeben werden ("interessiert sich für dies-und-das"), können aber auch automatisch zum Beispiel auf Basis von  Aktionen (Bestellung der Broschüre Y, Klick im Newsletter auf den Link Z) vergeben werden.

Warum? Nun, in aller erster Linie als Grundlage für eine Profilbildung, die es erlaubt, Menschen mit den für sie relevanten Inhalten zu versorgen. Aufmerksamkeit ist begrenzt und die sinnvollste Wertschätzung besteht darin, Menschen nicht mit der Gießkanne zu belästigen sondern relevante Informationen zu bieten.

Das folgende Werbevideo zeigt recht schön die Bedeutung dieses Vorgehens...